Metamorphose SCSH29

SCSH29

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Projektinfos

SCSH29

i.Z.m. Deunert & Wall Architekten

Das Gesamtprojekt der Sanierung eines 1950er Jahre Siedlungshäuschens in HH-Eidelstedt setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen, die den Nachkriegsbau sowohl räumlich, als auch energetisch an die zeitgemäßen Anforderungen der vierköpfigen Bauherrenfamilie anpassen. Neben einer neuen Küche und der Spitzbodenerschließung ist das neue Dach mit Aufsparrendämmung, Dachflächenfenstern und zwei großen Dachgauben die größte Einzelmaßnahme.

Stair Case Study House 29 (SCSH29) Spitzboden

Der neu ausgebaute Spitzboden wird über eine Raumspartreppe erschlossen, die auch den Raumabschluss zum Arbeits- und Gästezimmer bildet und sich direkt unter einem neuen Dachflächenfenster befindet.
Basierend auf dem Raumkonzept der 1m2 Treppe von SCSH02 bewegt man sich auf einer weiterentwickelten Wendeltreppe, deren „imaginäre Spindel“ diagonal im Raum platziert ist. An Stelle der Spindel sind die Stufen an einer dreieckigen Wange befestigt, die dreidimensional im Raum verdreht ist. Auf diese Weise wird das maximale Volumen des Treppenraumes zur Erschließung genutzt und es entstehen keinerlei Resträume. Zusätzlich ist unter der ersten Podeststufe noch eine großzügige Schublade eingepasst.
Die Wangenkonstruktion sowie die Zimmertür bestehen aus farbigem Sperrholz (Koski decor transparent, orange). Außen bzw. zum Arbeitszimmer sind die Wangen weiß beschichtet und mit einem mäandrierenden Bücherregal ausgestattet.
Die Klappe als Raumabschluss zum Spitzboden und die lichtdurchlässige Platte an Stelle der alten Öffnung zum Speicher über dem Flur sind beide in begehbarem, glasfaserverstärkten Polyester (GFK) ausgeführt. Der orangene Fußbodenbelag aus nicht verklebten Tretford Teppichfliesen (Kaschmir-Ziegenhaar und Schurwolle) harmoniert hervorragend mit dem Orange der Treppe und verbessert die Trittschalldämmung.
Ein 70cm tiefer Einbauschrank vor der neu gedämmten Giebelwand bietet mit Klappen, Schubladen und Apothekerauszügen ca. 3,5m3 neues Stauvolumen.

Sämtliche Einbauten konnten ohne statische Eingriffe exakt in die Bestandskonstruktion eingepasst werden. Um das Bestandsdach über den gegenüberliegenden Gauben abzufangen, musste jedoch eine „Tischkonstruktion“ aus Stahl errichtet werden, die von innen auch sichtbar ist.

Küche

Die neue L-förmige Küche ersetzt eine Küchenzeile, die viel zu klein für die Anforderungen einer Familie mit zwei kleinen Kindern war. Die Kücheneinbauten schließen den Durchgang zum Eingangsflur und formen rückseitig dort einen großzügigen Garderobenschrank. Eine Aussparung über der Anrichte schafft eine Blickachse von der Eingangstür durch die Küche hindurch bis in den rückwärtigen Garten. Trotz optimaler Raumnutzung bleibt somit eine gute visuelle Verbindung zwischen allen Nutzungszonen erhalten.
Die zweifarbigen Küchenfronten sind, ebenso wie die Treppenwangen im Obergeschoss, aus Koski Sperrholzplatten mit geölten Kanten gefertigt. Die Fronten der 60cm tiefen Elemente sind in Hellgrau ausgeführt und die eingeschnittenen Flächen über der Anrichte kontrastieren in strahlendem Orange. Zwei Lagen mit Oberschränken nutzen das volle Stauraumpotenzial und ein ausziehbarer Tritt unter dem Ofen erleichtert die Zugänglichkeit. Die Anrichte besteht aus einer weißen Mineralwerkstoffplatte, aus der die Abtropfrinnen herausgefräst wurden.
Zwischen Essbereich und Küche bietet ein separater Hängeschrank zusätzliche Stau- und Ablagemöglichkeiten. Eine hängende Büroleuchte ergänzt dabei die Einbau-Downlights.

Eine Besonderheit stellt die mobile Anrichte dar, die auf weichen Schwerlastrollen gelagert flexibel im Raum eingesetzt werden kann. Die Arbeitsfläche von 60x60cm besteht, wie die der Küche auch, aus weißem Mineralwerkstoff  und kann durch zwei aufklappbare Erweiterungselemente von je 40cm auf eine Breite von 1,40m vergrößert werden. Eine seitliche Sitzfläche, die auch als Podest für mithelfende Kinder dient, ein versenkbarer 3fach-Steckdosenport sowie vier Schubladenauszüge ergänzen die Funktionspalette.

Begleitende Maßnahmen

Neben der Aufsparrendämmung des Daches wurde das Haus v.a. durch eine zusätzliche Innendämmung aus Kalziumsilikatplatten vor der einschaligen, 24cm dicken Außenwand energetisch ertüchtigt. Der bauzeitliche, grobe Kellenputz der Fassade wurde von abblätternden Farbresten befreit sowie neu gestrichen und der Bestandsbalkon wurde neu abgedichtet.

Die Wohnfläche des Siedlungshäuschens vergrößerte sich rechnerisch zwar nur um 10m2 auf  insgesamt knapp 83m2 – bietet nun aber gut geschnittene Räume für alle Nutzungsszenarien.
Das „Einbreiten statt Ausbreiten“ bzw. der Raumgewinn durch Aufsparrendämmung, Gauben und Spitzboden steht zudem in einem erheblich besseren Kosten-Nutzen-Verhältnis, als z.B. eine erdgeschossige Erweiterung. Das äußere Erscheinungsbild des charmanten Nachkriegshauses mit zeittypisch schrägen Wandvorlagen ist durch die Dachsanierung nicht beeinträchtigt und das frisch gestrichene Haus erstrahlt in neuem Glanze.

Die Baubegleitung aller hochbaulichen Maßnahmen erfolgte durch Deunert & Wall Architekten aus Hamburg. Für die Ausführung von Küche und Spitzbodenschrank zeichnet die Hamburger Tischlerei Damen und Herren verantwortlich. Die Spitzbodentreppe wurde von der Tischlerei UniQ aus Bönningstedt gebaut.

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