SCSH45 – Urban Jungle in Hamburger Horn
Ausgangspunkt des Umbaus ist eine in den 2000ern gestaltete Dachgeschosswohnung in einer 1950er Jahre Blockrandbebauung in Hamburg-Horn.
Das bestehende Wohnumfeld der Bauherren präsentiert sich als farbenfroh, heterogen und von Sammelleidenschaft geprägt. Gefragt war ein Entwurf zur Erschließung des niedrigen Spitzbodens, der sich selbstbewusst in die visuelle Dichte einfügt und den Wohnraum nach oben erweitert. Ein gestalterischer Rückzug der Architektur war hier weder gewünscht noch zielführend.
Der bisher über eine Ausziehleiter erschlossene Spitzboden bietet unter dem First lediglich eine lichte Höhe von 1,40 Metern. Trotz dieser Einschränkung konnte der Raum als integrativer Teil der Wohnung gewonnen werden. Eine großzügige Deckenöffnung und zwei neue Dachflächenfenster bringen Tageslicht in den Spitzboden und tief in den darunterliegenden Wohnraum. Es entstehen zwei Galerieflächen, die über eine intelligent mittig platzierte Treppe mit nur einem Quadratmeter Grundfläche erreichbar sind.
Ein Laufsteg aus opaken, lichtdurchlässigen Kunststoffplatten führt zu einem der Galerieschenkel, dessen niedrige Brüstung mit Spiegel-Dibondplatten verkleidet ist. Die Spiegelungen fallen erst auf den zweiten Blick auf und suggerieren eine erheblich größere Deckenöffnung. Ein pragmatisches Bautenschutznetz dient als Absturzsicherung.
Die neue Treppe aus Multiplex fungiert als begehbare Skulptur im Raum. Sie greift das heterogene Farbspiel der Umgebung aktiv auf. Die beschichteten Außenflächen in gebürsteter Kupferoptik reflektieren das Tageslicht der angrenzenden Loggia warm in den Innenraum. Die Innenflächen und die Stufen sind im Farbton Absinth grün beschichtet, der sich auch in der Farbe der Tretford Teppichfliesen im Spitzboden wiederfindet.
Der Treppensteigung folgend sorgen mäandrierende Aussparungen in der Wange für ein wechselndes Schattenspiel. Eine dreieckige Treppenwange mit Echtmoosbekleidung komplettiert das Dschungelkonzept und ergänzt die raumgreifende Zimmerpalme. Deren Palmwedel wachsen ganz beiläufig durch die Aussparungen der Wangen hindurch.
Der Umbau erzielt einen erheblichen Gewinn an Raumqualität durch die neuen Galerien, den Deckendurchbruch und den gezielten Lichteinfall. Der Spitzboden verliert seinen Charakter als reiner Stauraum und wird trotz der eingeschränkten Stehhöhe bespielbar. Der architektonische Eingriff bleibt dabei pragmatisch kompakt und erforderte keinerlei Eingriffe in die statische Struktur des Gebäudes.